Rösten aus Leidenschaft:

Röster(PR) Alsterdorf hat wieder eine eigene kleine Kaffeerösterei. Die HRC Home Roasting Company hat in der Bebelallee ihre Türen geöffnet. Alsterklicks hat sie besucht, war bei einer Röstung mit dabei und gelernt, dass Böhnchen tatsächlich Tönchen machen und warum guter Kaffee erstmal nach Brot riechen sollte.

Kaffee in Säcken

In Säcken lagern die Bohnen und warten auf die Röstung

Im kleinen Sichtfenster ist zu erkennen, dass die Bohnen braun geworden sind. Und sie haben geknackt. Anja und Rainer Helmke lauschen konzentriert. Der richtige Augenblick ist da. Rund 20 Minuten haben die zwei Kilogramm „Yellow Bourbon“ aus dem brasilianischen Hochland im imposanten, schwarzen Ladenröster verbracht. Jetzt fallen sie heiß ins runde Auffangsieb und werden sanft gekühlt. Milder Kaffeeduft mit zahlreichen Aromen verteilt sich im Raum.

Anja Helmke speichert die Daten des Röstvorgangs im angeschlossenen Computer. Temperatur, Zeit, Bohnensorten – alles wird erfasst und ausgewertet. Denn die beiden sind Kaffee-Tüftler. Immer auf der Suche nach der idealen Mixtur und Röstung. Nutznießer sind Kaffeefreunde in ganz Hamburg. Denn geliefert wird vor allem “b to b“ an Geschäfte und Gastronomie. Aber wer möchte, kann natürlich auch persönlich vorbeischauen und seine Lieblingsmischung finden. 

Aktuell öffnet die HRC Home Roasting Company nur am Freitag und Samstag, denn die Helmkes verdienen ihren Lebensunterhalt noch hauptsächlich als Unternehmensberater. Und dadurch kamen die beiden überhaupt erst auf die Idee zu einer eigenen Rösterei. „Wir haben einfach bei vielen Job-Terminen in Hotels oder bei Tagungen zu vielen schlechten Kaffee getrunken“, erzählt Anja Helmke lachend. Also entstand der Plan, zu Hause selbst zu rösten. Zunächst im Garten auf einem Grill mit der Pfanne – später mit einem Heimröster. Und weil der produzierte Kaffee einfach gut schmeckt, wuchs sich der Plan zu einem Business aus.

Kaffeebohnen vor und nach der Röstung

Kaffeebohnen vor und nach der Röstung

Was alle kleinen Hamburger Röstereien gemeinsam haben, ist ihre Liebe zur Kaffeebohne. Im Gegensatz zur Industrie, geben sie der Bohne die nötige Zeit, um ihre Aromen zu entfalten. „Die Industrie röstet Kaffeebohnen in wenigen Minuten mit sehr hohen Temperaturen, verbrennt sie geradezu und kühlt sie anschließend auch noch sehr schnell ab“, erklärt Rainer Helmke. Die Folge sind der typische leicht bittere Beigeschmack und eine Säure, die auf den Magen schlagen kann. Bei schonend geröstetem Kaffee findet man beides nicht.

Geruchs-Check mit dem Probenzieher

Mit dem Probenzieher wird zwischendurch der Geruch der Bohnen kontrolliert

Im Röster an der Bebelallee liegt die Temperatur zwischen 200 und 220 Grad, wenn die Bohnen eingefüllt werden. Dann sinkt sie zunächst mal auf um die Hälfte ab. Während die Bohnen sich in der Trommel wie in einer Waschmaschine drehen, steigt die Hitze kontrolliert wieder an. Immer wieder zieht Rainer Helmke den „Probenzieher“ heraus und nimmt eine Nase. Zu Beginn duften die noch hellen Bohnen nach frisch gebackenem Brot – ein Zeichen dafür, dass die Stärke verbrennt. Dann kommt ein leichtes Karamellaroma dazu. Letztlich riecht es dann aber doch nach frischem Kaffee. Die Bohnen verlieren an Gewicht, dehnen sich aus – bis dann eben ein Knacken anzeigt, dass der optimale Zeitpunkt für den Abbruch der Röstung erreicht ist. Der „Yellow Bourbon“ – eine klassische Arabica-Sorte – grüßt mit einem Hauch von Vanille. Was nicht sofort verpackt und verkauft wird, kommt in Aromaschutzbehälter.

Die fertigen Bohnen fallen raus

Die fertigen Bohnen fallen nach der Röstung ins Auffangsieb

Laut Deutschem Kaffeeverband tranken die Deutschen im vergangenen Jahr 162 Liter Kaffee pro Kopf. Die meisten Tassen davon entfallen immer noch auf industriell produzierten Kaffee, aber Themen wie Nachhaltigkeit, Fair Trade und Transparenz sorgen bei den Kunden verstärkt dafür, dass kleine, lokale Röstereien größeren Zulauf haben. Die Helmkes wissen, wo ihr Kaffee herkommt und Rainer Helmke betont: „Wir rösten sorten- und plantagenrein“, – bedeutet, dass die Bohnen auf der speziellen Plantage in einer Saison gepflückt und getrocknet wurden.

„Das Leben ist zu kurz für schlechten Kaffee“ – so ist das Motto der HRC Home Roasting Company, deren Inhaber mit Engagement an neuen Kreationen basteln und ihre Leidenschaft auch an ihre Kunden weitergeben möchten. Im Angebot sind verschiedene Arabica-Sorten aus Brasilien, Costa Rica, Äthiopien und aus Indonesien der „Lintong“, ein milder Kaffee mit einer Spur Schokoladenaroma, der extra für Filtermaschinen geröstet wird. Für Espresso-Liebhaber gibt es spezielle Röstungen und Blends, die durch ausgewogene Kompositionen von Arabica und/oder Robusta bestechen und ein entkoffeinierter Kaffee ist auch da.