Flüchtlingshilfe- direkt und unbürokratisch:

DSC_0024Manchmal geht es ganz schnell und unkompliziert. Das zeigte jetzt die Ligamannschaft vom SC Alstertal-Langenhorn (SCALA). Zu ihrem Spiel in der Landesliga Hammonia gegen den SV Halstenbek-Rellingen II hatte das Team zu einer Spendenaktion aufgerufen und Flüchtlinge aus den Unterkünften in Langenhorn eingeladen. Rund 100 Refugees vom Grellkamp kamen und zeigten sich interessiert am lokalen Fußball-Geschehen. Mehrere Säcke voll Kicker-Kleidung und Schuhwerk kamen auch zusammen, so dass es bald mit dem ersten Training losgehen kann.

Spendensammlung Fußballbekleidung

Bei der Spendenaktion kam einiges an Fußballbekleidung zusammen

Hintergrund der Aktion ist nämlich, dass bei SCALA eine Mannschaft entstehen soll, in denen Flüchtlinge verschiedenster Nationalitäten eine sportliche Heimat finden, wie Betreuer und Stadionsprecher Jens Jordan erklärt. Treibende Kraft hinter diesen Plänen ist, neben dem Verein, der „Freundeskreis Grellkamp“ – eine Gruppe von rund 15 Freiwilligen, die sich seit 6 Wochen aktiv um die Integration der Flüchtlinge vor Ort kümmert. In den Arbeitsgruppen „Deutschkurse“, „Kleiderkammer“ und eben auch „Spaß, Sport und Spiel“ werden Angebote erarbeitet, die den Flüchtlingen einen kulturellen, sprachlichen und gesellschaftlichen Zugang ermöglichen. Melanie Stölting ist eine dieser Freiwilligen. Sie hat schon vor zwei Jahren in ihrer sportlichen Heimat St. Pauli gemeinsam mit dem FC St. Pauli, der lokalen Kirchengemeinde und anderen für die „Lampedusa-Flüchtlinge“ ein Fußball-Projekt auf die Beine gestellt, das beim FC Hamburger Berg seine Trainingsmöglichkeiten fand. Jetzt möchte sie das auch in ihrer Wohnheimat Langenhorn schaffen. Und mit SCALA wurde der richtige Partner gefunden. Denn die Verantwortlichen im Verein sind offensichtlich Menschen der Tat und fackeln nicht lange, wenn sie helfen können. Und so bittet denn auch Nico Peters, der Trainer der 1. Herren, am kommenden Dienstag gleich zum ersten

Melanie Stölting vom Freundeskreis Grellkamp und Stadionsprecher Jens Jordan

Melanie Stölting und Jens Jordan

Training am Neuberger Weg. Zukünftig soll zweimal pro Woche gemeinsam gespielt werden, und Liga-Manager Ralf Rath berichtet: „In unserer 3. Herren spielen bereits zwei Flüchtlinge mit“. Das Interesse am Spiel mit dem runden Leder auf Seiten der Flüchtlinge ist groß. Es sind fast ausschließlich junge Männer, die an diesem sonnigen Sonntag zur Siemershöh mitgekommen sind, um ein Stück Alltag am Rand des Fußballplatzes zu genießen. Dass sie auch noch ein Getränk spendiert bekommen, freut sie umso mehr. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Albanien, Eritrea, Kasachstan und anderen Ländern. Ob sich ein Ronaldo oder ein Messi unter ihnen befindet, wird das geschulte Auge des Trainers prüfen. Und ihnen auch die Regeln und Gepflogenheiten auf deutschen Fußballplätzen erklären. Auch eine sprachliche Herausforderung, denn keiner spricht bisher deutsch, aber viele immerhin englisch. Rund 800 Flüchtlinge leben aktuell am Grellkamp. Zum Ende des Jahres werden es wohl gut 1000 sein. Die Freiwilligen aus dem Freundeskreis „opfern“ im Schnitt zwischen 10 und 15 Stunden ihrer Freizeit pro Woche, um verschiedene Angebote in die Tat umzusetzen. „Das ist je nach Bedarf etwas mehr oder wenige. Aber die Begeisterung, wenn etwas angeboten wird, ist immer groß. Wir machen Ausflüge, Spaziergänge im Stadtteil, DSC_0018gehen auch mal ins Kino“, berichtet Glynnis Bially, eine gebürtige US-Amerikanerin, die seit 13 Jahren in Deutschland lebt und sich am Grellkamp engagiert. Alles läuft in guter und enger Zusammenarbeit mit „fördern & wohnen“, dem Betreiber der Einrichtung. „Aber das Wichtigste ist, die Menschen in der Unterkunft kennenzulernen und sie mit einzubinden“, ergänzt Melanie Stölting. Denn die Flüchtlinge haben nicht nur Sorgen und Nöte, hier warten auch Kompetenzen darauf, entdeckt zu werden: Der eine kann als Dolmetscher fungieren, die andere hat ein kreatives Talent oder handwerkliche Fähigkeiten. Bei SCALA kümmert man sich jetzt um die sportlichen Talente. Ach ja – erfolgreich Fußball gespielt hat SCALA’s Erste an diesem Tag übrigens auch: Halstenbek-Rellingen wurde mit 4:0 (2:0) nach Hause geschickt.

 

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